"Vertrauensperson für Wackelkandidaten" Christine Tscherner/ AZ 27.10.2015
"Ein Wegweiser geht in den Ruhestand" Gabriela Gsell/ Neue Binger Zeitung 21.10.2015

„Viele kleine Baustellen"
15.08.2011 - AZ BINGEN

Von Erich Michael Lang

 

BERUFSWAHL Verein Wegweiser unterstützt Schüler

 

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Was aber, wenn es beispielsweise ein bisschen an Willensstärke fehlt, an Entschlossenheit oder Mut? Wegweiser können da weiterhelfen. Und helfen will er auch, der neue Binger Verein, der sich sinnigerweise „Wegweiser" nennt. Aktiv ist „Wegweiser" schwerpunktmäßig an der Realschule am Scharlachberg. Für die Ausbildungsförderung wurde Uwe Müller halbtags engagiert, dessen Frau übrigens auch an der Schule unterrichtet.

Der im März gegründete Verein verdankt seine Geburtsstunde seinem heutigen Vorsitzenden Jan Rickel. Der Binger Immobilienkaufmann wollte ganz konkret und ganz gezielt für Jugendliche auf deren Weg ins Berufsleben etwas tun. Im Blick hatte er dabei vor allem jene, die durch familiäre und soziale Hemmnisse es oft nicht einfach haben in einer vielfach gnadenlos leistungsorientierten Gesellschaft. Heraus kam „Wegweiser e.V." und die Anstellung von Uwe Müller, der sich seit dem 1. April an der Scharlachberg Realschule in einer Art Patenamt sieht.

Und ein Pate ist eben kein Verwaltungsangestellter, sondern im Idealfall ein guter Freund. Darauf will Müller auch hinaus. „Das sind dann manchmal die ganz einfachen Sachen. Zum Beispiel die Fahrt zum Bewerbungsgespräch", erzählt Müller der AZ. So war in einem Fall alles organisiert und alles bestens, als plötzlich die Frage auftauchte, wie ein Jugendlicher überhaupt zu seinem Vorstellungsgespräch kommen soll. Keine Möglichkeiten in Sicht. Müller half unbürokratisch und fuhr ihn einfach hin; oder einen anderen Jungen, der dringend ein Porträtfoto brauchte, rasch zum Fotostudio. „Ich mache nichts auf eigene Faust. Es muss abgestimmt sein, nicht nur mit den Schülern, sondern auch mit den Eltern und Lehrern", unterstreicht Müller. Zusammenarbeit sei auch selbstverständlich, beispielsweise mit Jobfuxx. Kontakte in die Berufswelt helfen, frühzeitig Praktikumsplätze zu vermitteln. „Auch ist es für viele nach wie vor schwer, eine ordentliche Bewerbung zu verfassen", erzählt Müller. Es sind die vielen kleinen Baustellen und Schubser, von denen er erzählt, durch die schließlich der Verein seinem Namen als „Wegweiser" gerecht wird. Es sind nicht die großen Gesten und Reden, die dicken Packen mit Formularen und Anträgen, es ist einfach die persönliche Präsenz von Müller in der Schule. „Das darf nicht unterschätzt werden, wie lange es dauert, Vertrauen zu finden", beschreibt er die urmenschliche Scheu, einfach mal um Hilfe zu bitten. „Wenn jemand kommt, sind wir offen", sagt er. Die ersten Erfolge gibt es bereits mit vermittelten Ausbildungsplätzen. Müller staunt immer wieder, dass oft gerade die recht guten Schüler Probleme haben, sich aktiv zu kümmern. „Manche gehen auf den Abschluss zu ohne auch nur eine einzige Bewerbung geschrieben zu haben", sagt er. Wenn es aber gelinge, diese Jugendliche zu erreichen, seien die verblüffendsten Ergebnisse möglich. „Es ist reine Basisarbeit, was ich mache", so Müller.